Dieses Projekt ist aus dem Wunsch entstanden, den Blick auf Körper, Weiblichkeit und Schönheit zu verändern. Nicht durch Ideale, nicht durch Vergleiche, nicht durch ein Außen, das bewertet – sondern durch Sein. Durch Atem. Durch Ehrlichkeit.
Im Mittelpunkt stehen fotografische Arbeiten, die sich mit den sichtbaren und unsichtbaren Spuren einer Mastektomie nach Brustkrebs auseinandersetzen. Narben werden nicht versteckt und nicht geglättet. Sie sind Teil meiner Geschichte. Teil des Lebens, das ich mir zurückgeholt habe.
Die Bilder sind ein Gemeinschaftsprojekt von Pia Hasse als Model und Autorin der Texte und dem Fotografen Jens Becker entstanden. Fotografie und Text greifen ineinander. Die Bilder zeigen, was ist. Die Texte erzählen, wie es sich anfühlt.
„Freiheit schmeckt nach Wasser, Sonne und Selbstliebe. Die Sonne taucht die Welt in Gold, und für einen Moment gibt es keine Ideale, keine Vergleiche. Nur Sein.“
Diese Bildserie steht für Leichtigkeit, für Sommer, für das Wiederfinden von Selbstliebe. Als bewusster Gegenpol zu Angst, Verlust und Kontrolle.
Pia: „Ein weiterer Teil der Arbeit hat mir Angst gemacht. Nicht wegen meiner Narben. Nicht wegen der Kamera. Sondern wegen des Blicks von außen. Roter Tüll, nackte Haut – alles schreit nach Verführung. Weil unser Blick auf Körper gelernt hat: Haut gleich Sex. Brüste gleich Weiblichkeit. Verletzlichkeit gleich Schwäche.
Ich habe mich trotzdem entschieden, es zu tun. Nicht, weil ich gefallen will. Sondern gerade deshalb.
Ich bin nicht trotzdem schön. Ich bin schön, weil ich echt bin.“
Jens: „Pia ist eine der stärksten Frauen, die ich kennenlernen durfte. Die gemeinsame Arbeit an Focus Shift zu dem Themenkomplex Brustkrebs ist für mich Ausdruck beiderseitigen tiefen Vertrauens. Mit unseren gemeinsamen Bildern möchten wir zum Nachdenken anregen, berühren und betroffenen Frauen Mut machen: Steh zu Dir, zeig Dich, Du bist schön!
Fotografie ist für mich nie Bildermachen sondern immer die Visualisierung von Emotionen. Meine Motivation ziehe ich aus der gemeinsamen Arbeit an dem Projekt, der ehrlichen und authentischen Auseinandersetzung mit dem Thema, der von Vertrauen geprägten Entwicklung der Bildideen und schließlich deren handwerklichen Umsetzung.“
Dieses Projekt ist eine Einladung, genauer hinzusehen. Es richtet sich an Menschen, die selbst betroffen sind, ebenso wie an jene, die lernen möchten, Körper jenseits von Normen zu betrachten.
Brustkrebs ist keine Ausnahmeerscheinung. Etwa jede siebte bis achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Nicht jede Erkrankung ist tastbar, nicht jede Veränderung bösartig. Dennoch müssen viele Frauen Entscheidungen treffen, die tief in ihr Körperbild, ihr Selbstverständnis und ihr Leben eingreifen – bis hin zur Entfernung einer oder beider Brüste.
Brustkrebs betrifft dabei nicht ausschließlich Frauen. Auch Männer können erkranken – etwa jede hundertste Diagnose entfällt auf sie. Ein Umstand, der oft übersehen wird.
Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Vorsorge und das Wahrnehmen des eigenen Körpers sind deshalb essenziell. Dieses Wissen gehört ebenso zu diesem Projekt wie die Bilder und Texte.
Es geht um Sichtbarkeit, um Selbstliebe und um den Mut, sich nicht bewerten zu lassen.















