Jens Becker Fotografie

Festbrennweite oder Zoom – das ist hier die Frage!

Sofern man Kameras mit einem Anschluss für Wechselobjektive einsetzt stellt sich die Frage, welche Objektive man einsetzt. In den meisten Fällen werden zunächst Einsteigermodelle mit sogenannten Kitobjektiven gekauft. Dies sind meistens lichtschwache Standardzooms mit einer variablen Brennweite zwischen 27 – 80 mm (Bildwinkel bezogen auf das Kleinbildformat = KB-äquivalent). Viele Anbieter kombinieren Kameras aber auch mit sogenannten Super-Zoomobjektiven, die oft einen Brennweitenbereich zwischen 27 – 300 mm, im Extremfall beim Tamron 18-270 sogar einen Brennweitenbereich sogar bis 405 mm KB-äquivalent abdecken. Doch sind solche Objektive sinnvoll? Für welchen Einsatzzweck eignen sich welche Objektive? Diesen Fragen will ich in diesem Beitrag nachgehen.

Zunächst sollten wir uns darüber klarwerden, welche Bedeutung Objektive für die Bildergebnisse haben. Wenn man sich die Werbung von Foto- und Elektronikhandel anschaut, bekommt der Laie oft den Eindruck, dass das Kameragehäuse der entscheidende Faktor für technisch gute Bilder ist. Denn dort wird mit hohen Auflösungen der Sensoren, besonderer Lichtempfindlichkeit, vielen Autofokusfeldern oder hoher Serienbildgeschwindigkeit geworben. Das die Bildqualität aber in vielleicht noch entscheidenderem Maße von den verwendeten Objektiven abhängt und darüber hinaus die Eigenschaften der Objektive eine erhebliche Rolle für die Bildgestaltung spielen, wird oft außer Acht gelassen.

Welche Kriterien sollten daher aus meiner Sicht bei der Wahl der Objektive eine Rolle spielen?

  • Lichtstärke
    Ein wichtiges Kriterium ist die Lichtstärke eines Objektivs. Denn von dieser hängt es ab, wieviel Licht in einer bestimmten Zeit durch die Linsen auf den Sensor oder den Film treffen. Je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt in einer bestimmten Zeit auf die zu belichtende Fläche. Das bedeutet in der Fotografiepraxis, dass bei einer größeren Blendenöffnung für eine gleiche Belichtung kürzere Verschlusszeiten als bei einer kleineren Blendenöffnung genutzt werden können. Dies ist insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen oder bei bestimmten Bildgestaltungen von Bedeutung. So wird beispielsweise in der klassischen Portraitfotografie eine geringe Tiefenschärfe gewünscht, um das Hauptmotiv freizustellen. Je kürzer die Zeit der Belichtung bei einer bestimmten Brennweite ist, desto geringer der Aufnahmebereich der scharf abgebildet wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von schnellen Objektiven. Achtung: Je kleiner die Blendenzahl, desto größer die Öffnung. Dies liegt daran, dass die Blendenzahl einen Teiler beschreibt. Die Blendenöffnung wird korrekt als f/Blendenzahl beschrieben.
    Größte Blendenöffnung Minolta 50mm f/1.4

    Größte Blendenöffnung Nikon Af 28-105 f/3,5-4,5

  • Anzahl und Vergütung der verbauten Linsen
    Wenn Licht durch Glas fällt, entstehen grundsätzlich durch Brechung und Streuung auch Abbildungsfehler, die sich beispielsweise durch Unschärfe, Verzeichnung, Farbsäume an Kontrastkanten (sogenannte chromatische Aberration) oder Lichtreflexe (Flares) bemerkbar. Die Hersteller versuchen, diesen Abbildungsfehlern durch die Kombination mehrerer Linsen unterschiedlicher Glassorten und Vergütungen entgegenzuwirken. Daneben bestimmt die Konstruktion eines Objektives und die Güte der verwendeten Linsen maßgeblich die Auflösungs-, Farb- und Kontrasteigenschaften der Bilder.
  • Brennweite
    Für actionreiche Fußballbilder ist ein weitwinkliges Objektiv eher ungeeignet, weil die eigentliche Bildaussage in der Vielzahl der Informationen untergeht. Bei spektakulären Landschaftsaufnahmen mit Lichtstimmungen des Himmels möchte man hingegen möglichst viele (Licht)Informationen einfangen und greift zum Weitwinkel. Bei einem Kopfportrait möchte ich einerseits dem Model nicht zu sehr auf den Pelz rücken und andererseits eine schöne Freistellung des Hauptmotivs. Also wähle ich eine leichte Telebrennweite.
  • Variabilität
    Ein Zoom ist durch die Möglichkeit, die Brennweite innerhalb bestimmter Grenzen vom Bildwinkel/Bildausschnitt zu verändern, variabler als eine Festbrennweite. Wenn ich mit einem Objektiv alle Brennweiten abdecken will, eignet sich ein sogenanntes Super-Zoomobjektiv. Hier stellt sich dann nur die Frage, wofür ich mir eigentlich eine Kamera mit Wechselobjektiven angeschafft habe. Diese Variabilität wird in vergleichbaren Preisklassen mit einer höheren Anfälligkeit für Bildfehler und einer im Vergleich geringeren Lichtstärke erkauft.
  • Haptik und Gewicht
    Je mehr hochwertige Linsen verbaut werden und je höher die Lichtstärke desto schwerer und größer das Objektiv. Was nützt mir aber das beste Objektiv, wenn ich es wegen Größe und/oder Gewicht zu Hause lasse? Deswegen sollte man auch diesen Faktor bei der Wahl seiner Objektive mit berücksichtigen.

Für welche Art von Objektiven mit welchen Brennweiten man sich entscheidet hängt somit maßgeblich von der persönlichen Gewichtung der o.g. Kriterien ab. Ist das Ziel eine höchstmögliche Bildqualität, dann greift man zur lichtstarken Festbrennweite. Ist Variabilität gepaart mit einer sehr guten Bildqualität gefragt, dann kommen Zoomobjektive mit einer größten Blendenöffnung von f/2.8 in die Kameratasche. Will ich leicht und klein unterwegs sein, dann beschränke ich mich entweder auf ein günstiges Kit-Objektiv oder eine kleine Festbrennweite.

Bei mir persönlich hat das dazu geführt, dass ich mittlerweile einen halben Altglascontainer (Achtung Scherz) mit meinen verschiedenen Objektiven füllen könnte. Da mein Hauptaugenmerk inzwischen auf höchstmöglicher Bildqualität und möglichst viel Gestaltungsspielraum liegt, verwende ich hauptsächlich Festbrennweiten. Daneben nutze ich aber in meinen fotografischen Randbereichen und insbesondere bei meinen DSM auch Zoomobjektive.

Welche dies sind und welche ich mit welcher Kamera besonders gerne einsetze, dazu an anderer Stelle mehr.

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