Jens Becker Fotografie

Ausrüstung: Portraitfotografie muss nicht teuer sein

Traumkombi Fujifilm S5pro und Pentacon 135 f 1/2.8

People- und Portraitfotografie ist eines der beliebtesten Genres für ambitionierte Hobbyfotografen. Neben der Bildgestaltung, für die der Mensch hinter der Kamera und sein Model verantwortlich sind, ist für gute Ergebnisse auch eine entsprechende Ausrüstung ausschlaggebend. Wenn man sich in den vielen einschlägigen Foren schlau macht, so bekommt man oft den Eindruck, dass nur eine Kleinbild-DSLR mit einer 85mm-Festbrennweite mit f1/1.4 oder f1/1.8 den hohen Anforderungen genügt. Und zugegeben, bei mir kommt für Portraits auch oft die D700 mit dem Nikon AF 85 f1/1.8 zum Einsatz.

Aber es gibt ein paar sehr spezielle Kameras und Objektive, die abseits des Mainstreams diese Aufgabe meistern. Bereits seit vielen Jahren bin ich Fan der alten Fujifilm Digitalkameras mit Super-CCD-Sensoren. Diese Kameras basierten allesamt auf Nikon-SLR/DSLR-Gehäusen und waren somit mit den Nikon-Objektiven und anderem Zubehör kompatibel. Das Alleinstellungsmerkmal der Fujis ist aber der selbst entwickelte Super-CCD-Sensor, der durch seine besonderen achteckigen Pixel und je einen lichtempfindlichen großen Pixel (S-Pixel) und einen weniger lichtstarken kleinen Pixel (R-Pixel) pro Lichtpunkt sich von anderen Sensoren deutlich unterscheidet. Offiziell lösen die Sensoren in den beiden letzten Modellen S3pro (Basis Nikon F80) und S5pro (Basis Nikon D200) mit 12 Megapixel (MP) auf. Physikalisch sind es aber nur 6 MP, die aufgrund der achteckigen Wabenstruktur interpoliert werden. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. In der Realität lösen die Kameras somit etwa mit 9 MP auf. Zur damaligen Zeit (2000-2010) ein durchaus konkurrenzfähiger Wert. Nach heutigen Maßstäben eine zu geringe Auflösung, die aber in der People- und Portraitfotografie eine eher untergeordnete Rolle spielt. Der immense Vorteil zur damaligen Zeit war aber der enorme Dynamik- bzw. Kontrastumfang von bis zu 12 Blenden durch die besondere Wabenstruktur und die Doppel-Pixel. Die Konkurrenz schaffte damals nicht mehr wie 9 Blenden und dies oft nur mit Müh und Not. Die Fujis erfreuten sich daher insbesondere unter Hochzeitsfotografen (schwarzer Anzug + weißes Brautkleid = hoher Kontrastumfang) großer Beliebtheit. Hinzu kommt eine jpg-engine, deren Spezialität sehr natürliche Hauttöne sind. Überzeugte Fujijaner sind bis heute der Meinung, dass keine bisherige DSLR an diese herankommt.


Ich gehöre als stolzer S3pro und S5pro-Fotograf dazu! Bis heute nutze ich beide Kameras insbesondere für den schon genannten Einsatzzweck. Oft parallel mit verschiedenen Festbrennweiten.

Die S5pro war die letzte Fuji-DSLR und basierte auf der Nikon D200. Dies ist auch der entscheidende Unterschied zu ihren Vorgängerinnen, die alle auf analogen Nikongehäusen basierten. Die S5pro konnte somit alle Funktionen der damaligen D200 nutzen, u.a. den besseren Autofokus und das wirklich tolle Nikon CLS-Blitzsystem.

Vor einiger Zeit bin ich im Internet in einem Bericht über sogenanntes „Altglas“ an modernen Digital-DSLRs auf das Pentacon 135 f 1/2.8 gestoßen. Von diesem Objektiv gab es unterschiedliche Versionen. Ich habe die ursprüngliche Version mit unvergüteten Gläsern, aber mit 15 !!!! Blendenlamellen. Diese Version nennt man daher auch „Bokehmonster“. Natürlich wurde dieses Objektiv nie für das Nikon F-Bajonett hergestellt, sondern für M42 und Exakta. Dazu kommt, dass sich Fremdobjektive bei Kameras mit Nikon-F-Bajonett aufgrund des langen Auflagemaßes (Abstand Objektivanschluss zum Sensor) nur schwer adaptieren lassen. Beim Pentacon ist dies mit Hilfe von Makro-Zwischenringen problemlos möglich. Aufgrund der langen Brennweite und der Blendenöffnung von F 1/2.8 ist das Freistellungspotential (= Motiv scharf und Hintergrund unscharf) mehr als ausreichend.

Die natürlichen Hauttöne und der große Dynamikumfang der S5pro gepaart mit dem angenehmen Bokeh und dem Freistellungspotential des Pentacon ergeben somit eine interessante Kombination für die People- und Portraitfotografie. Diese ist aber nichts für Knipser, die möglichst alles automatisch und schnell haben wollen. Sowohl die Fuji als auch das Pentacon erfordern Einarbeitung und Übung, um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen. Und manueller Fokus (Scharfstellung) ist auch nicht jedermanns Sache.

Unschlagbar ist jedoch der Preis der Kombi. Eine gut gepflegte S5pro mit < 10.000 Auslösungen liegt zwischen 200 und 250 €. Ein gut erhaltenes Pentacon ist für rund 70 € zu finden. Die Zwischenringe liegen bei rund 20 €. Besseres kann man meiner Meinung nach für diesen Preis nicht finden. Wohlgemerkt für diesen Einsatzzweck.

 

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